Jainismus Jinas - Tirthankaras
Der Jainismus ist eine alte, aber kleine religiöse Bewegung in Indien, die nicht mehr als einige wenige Millionen Anhänger umfasst. Nach der Lehre des Jainismus können Askese und Meditation die Wirksamkeit des Karma aufheben und die Seele aus den Fesseln der Materie und dem Kreislauf der Wiedergeburten befreien. Tötung von Lebewesen ist streng untersagt. Nur Mönche können diese strengen Regeln vollkommen leben - jedoch gibt es im Jainismus auch viele Laienanhänger. Besondere - selbst kultische - Verehrung gilt den Tirthankaras. Religionshistoriker betrachten Vardhamana Mahavira, einen älteren Zeitgenossen von Gautama Buddha, als Begründer des Jainismus – die Jains selbst allerdings sehen in Mahavira lediglich den letzten einer Reihe von sogenannten Jinas, deren erster vor Millionen von Jahren lebte. Nach der Tradition der Jains gibt es 24 Jinas – eine Parallele offenbar zu den 25 Buddhas und 25 (auch 22) Avataren von Lord Vishnu im Bhagavata Puranam. Die Lehre von den Jinas hat auch inhaltlich eine Ähnlichkeit zur Lehre über die Buddhas – es bestehen aber auch explizit Referenzen zur Tradition der Avatare – besonders zur Geschichte von Sri Krishna. Die Jinas oder Tirthankaras Die heiligen Lehrer oder Meister des Jainismus werden Jinas (Eroberer) oder Tirthankaras (Furtbereiter) genannt – diejenigen, die einen Übergang über die Wasser der Wandelwelt (samsara) gefunden und Nirvana erlangt haben. Der erste Jina (Tirthankara) war Rishabha. Rishabha lebte vor Millionen von Jahren. Die ersten 2 Millionen Jahre lebte er als Prinz. Weitere 6 Millionen Jahre als König. Er war der erste König, der erste Jina, der erste Tirthankara und der Höchste Beschützer (adinatha). Er lehrte die 72 Wissenschaften (Schrift, Arithmetik etc), die hundert Künste und die Wissenschaft der Omen. Er lehrte Landwirtschaft, Handel und Handwerk, sowie Töpferei, Schmiedekunst und Weberei. Er lehrte Tanz, Gesang und die Kunst der Liebe (kalpa sutra). Rishabha wird auch in Schriften anderer Hindu Traditionen erwähnt: Das Vishnu Purana beschreibt ihn als grossen König, der später das Leben eines Einsiedlers und Asketen annahm. Das Bhagavata Purana erwähnt ihn mit mehr sektiererischem Vorbehalt und schreibt, dass Rishabha im Kali Yuga nackt einherziehen und viele vom der rechten Lehre abbringen wird, sodass sie Arhate des Jainismus als Gottheiten verehren werden. In der Jain Tradition folgen dann weitere 23 Jinas/Tirthankaras. Ihre Biographien werden oft detailiert dargestellt, aber sind sich sehr ähnlich, indem sie den Idealtypus des gerechten Königs, volllendeten Asketen und des erleuchteten spirituellen Lehrers beschreiben. Der letzte Jina vor Mahavira war Parshava und soll 772 v.Chr. Nirvana erlangt haben (Heinrich Zimmer) Mahavira Das Leben des Mahavira wird im Acharanga Sutra, dem ersten der Angas, der Heiligen Schriften der Svetambara Jains, und auch im Kalpa Sutra beschrieben. Mahavira kam vom Vimana Himmel herab, welcher wie der Lotos unter den Blumen und das Swastika unter den Himmlischen Regionen ist. Die Mutter Devananda hatte einen Traum mit 14 glückverheissenden Zeichen gehabt, und ihr Gemahl Rishabha-Datta, ein Brahmane hatte daraus geweissagt, dass sie einen Jungen gebähren würde. Das Kind würde von schöner Gestalt sein und ein Kenner der Angas und der vier Veden. Als Gott Indra (Sakra) sah, dass Mahavira im Leib von Devananda die Gestalt eines Embryo angenommen hatte, kam er herab auf die Erde und brachte dem Jina seine Ehrerbietung dar. Indra verehrte (so sagen die Jains) die Tirthankaras, die Lichter der Welt, die Wissenden, die befreiten Erlöser, die Nirvana erlangt haben – und somit auch Mahavira, den bislang letzten in der Reihe der Jinas, welcher von seinen Vorgängern prophezeit worden war. Indra meinte, dass ein Arhat nicht in einer niedrigen, armen oder Brahmanenfamilie geboren werden sollte, sondern in einer edlen Kshatriya (Krieger) Familie, wie Ikshvaku oder Hari. So geschah es, dass der Embryo auf übernatürliche Weise aus dem Leib von Devananda in den einer Kshatriya Frau namens Trishala, der Frau von Siddhartha, transferiert wurde, während die beiden Frauen schliefen. Diese Geschichte zeigt, dass die Kshatriyas von den Jains den Brahmanen vorgezogen werden; wohl auf Grund der Tatsache, dass es zur Zeit und während des Wirkens von Mahavira viele Dispute mit den Brahmanen gegeben hatte. Trishala (eine Art Pedant zu Yashoda, der Nährmutter von Sri Krishna) sieht nun ebenfalls 14 günstige Zeichen in ihren Träumen – das erste ein weisser Elefant mit vier Stosszähnen, und als viertes die Göttin Sri. Man sagt, dass diese vierzehen Traumzeichen einer werdenden Mutter ein Hinweis darauf seien, dass ihr Sohn ein grosser Monarch oder ein Jina sein wird. Während der Geburt von Mahavira soll es wunderbare Zeichen und Lichterscheinungen gegeben haben, ein Hinweis auf die Anwesenheit göttlicher Wesen. Die Eltern nannten das Kind Vardhamana – aber die Götter gaben ihm den Namen Mahavira (grosser Held). Das Acaranga Sutra beschreibt Mahavira’s Eltern als Verehrer von Parshava, dem Vorgänger von Mahavira und als Asketen, obwohl sie Kshatriyas waren (Trishala und Ihr Ehemann). Mahavira wurde Haushälter – er heiratete Yashoda - und die beiden hatten eine Tochter. Das Kalpa Sutra berichtet, dass Mahavira nach dem Tod seiner Eltern sich einem asketischen Leben zuwandte. Die Götter beauftragten ihn, die Religion des Dharma zu verbreiten. Ein Jahr nachdem er die Bekleidung der Asketen angelegt hatte, legte er auch diese Robe ab und wandelte nackt umher. Bei seinen Anhängern, den Digambaras, (luftgekleidet) wandeln die Mönche ebenfalls nackt umher. Sie grenzen sich streng von anderen Lehren ab und folgen dem Ideal des isolierten Mönchs (kevalin). Sie leugnen, dass Mahavira jemals verheiratet war und betrachten ihn als ein übernatürliches Wesen, das selbst ohne Nahrung lebte. Bei der andere Gruppe von Anhängern Mahavira’s, den Swetambaras (weissgekleidet), tragen die Mönche weisse Kleidung - sie sind mehr in den kühleren Regionen des Nordens ansässig. Sie lehren, dass Mahavira zwölf Jahre lang ein streng asketisches Leben führte. Dann erlangte er unter einen Sal Baum (ähnlich wie Buddha) die höchste Erkenntnis (kevala) und Nirvana – er wurde zum Jina und Arhat. Er wurde allwissend und lehrte die Götter und die Menschen. Mahavira soll 72 Jahre gelebt haben und in Papa, in der Nähe von Patna, gestorben sein (um 447 v. Chr.). Er war ein Siddha, ein Buddha, ein Jivan-Muktha. Beziehung zur Krishna-Tradition In der Liste der 24 Tirthankaras erscheinen Namen, die sich auf Gestalten aus der Krishna Tradition beziehen. So ist der Jina/Tirthankara, welcher vor Parshava wirkte, der zweiundzwanzigste Jina, Aristhanemi (Neminatha), ein Cousin von Krishna. Sein Vater war ein Bruder von Vasudeva, dem Vater von Krishna. Dieser Jina wird, wie Krishna, mit dunkler Hautfarbe dargestellt, und sein Symbol ist das Muschelhorn. Aber die Jains sagen, Arishtanemi sei Krishna überlegen, was die physische Erscheinung und asketische Vollendung anlangt. Nach den Jains gibt es zeitliche Heroen wie Weltherrscher (Chakravartins) und Heroen vom Typus des Vasudeva und Baladeva. Das Kalpa Sutra lehrt, dass eine werdende Mutter einen Jina oder Weltherrscher das Leben schenken wird, wenn sie vor der Empfängnis in ihren Träumen vierzehn günstige Zeichen sieht. Einen Vasudeva, wenn sie sieben Zeichen sieht, und einen Baladeva bei vier Zeichen. Während eines der Zeit Zyklen, wie sie in der Hindu Mythologie beschrieben werden, erscheinen vierundzwanzig Jinas, zwölf Weltherrscher, neun Vasudevas und neun Baladevas. Ein Vasudeva ist, wie Krishna in gelb gekleidet und trägt den Garuda auf seinem Banner, sowie Muschelhorn, Diskus, Schwert und Keule in Händen. Ein Baladeva ist in dunkle Robe gekleidet und trägt den Palmbaum auf seinem Banner, sowie als Symbol Keule, Pfeil und Pflugschar. Während des gegenwärtigen Zyklus waren Vasudevas bekannt als: Narayana (Vishnu), Purushottama und Swayambhu (selbstgeboren). Baladevas waren: Rama (möglicherweise Balarama, der Bruder von Krishna) und Pauma, Rama-Chandra, der Avatar des Ramayana. Die Angas der Jains erwähnen auch Draupadi und die fünf Pandavas. Im gegenwärtigen Zyklus leben wir in der Periode von Dushama, einem dunklen Zeitalter, welches drei Jahre nach dem Nirvana von Mahavira begonnen hat. In dieser Epoche wird kein weiterer Jina erscheinen. Es wird aber ein neues, besseres Zeitalter kommen mit weiteren vierundzwanzig Tirthankaras in Folge. Der elfte dieser Jinas wird Devaki, die Mutter von Krishna sein. Der zwölfte dieser kommenden Jinas wird Krishna selbst sein, mit Namen Amama. Der vierzehnte wird Krishna’s Bruder Baladeva sein, der sechzehnte Rohini, die Mutter von Baladeva. Der zwanzigste schliesslich ein weiterer Verwandter von Krishna, Kunika. (S.Stevenson: The Heart of Jainism) Die Jinas sind nicht nur, wie die Buddhas und Avatare, spirituelle Lehrer oder Reformer, sie wurden auch zu einem Gegenstand kultischer Verehrung und Instanz für Gebete um Hilfe und Segen. „..möge der Herr Sumati unsere Wünsche erfüllen…….möge der gesegnete Abhinanda uns Freude schenken…….möge der gesegnete Herr Arishtanemi unser Unglück beseitigen…möge der Herr Parshvanatha euerer Befreiung dienlich sein…(Hemachandra, 12. Jh.). Ajivikas Eine weitere religiöse Sekte neben den Buddhisten und Jains waren die Ajivikas, welche von ersteren als zu deterministisch und zu asketisch abgelehnt wurden. Buddhistische Schriften beschreiben drei hervorragende spirituelle Gestalten der Ajivikas, das Bhagavati Sutra der Jains erwähnt allerdings, dass die Ajivikas an vierundzwanzig Tirthankaras glauben, von denen der gegenwärtige (Makkhali Gosal; Gosala) der letzte sei. (A.L. Basham, Doctrines of the Ajivikas) Nach Auffassung der Ajivikas erscheinen die Tirthankaras von Zeit zu Zeit auf Erden, vor allem, wenn ihre Lehre in Gefahr ist. Eine Schule der Ajivikas zumindest scheint auch die Lehre des Avatars im engeren Sinn, einer Theophanie, einer Erscheinung der Herrlichkeit des Göttlichen auf Erden, zu vertreten. Die Tirthankaras des Jainismus stellen also (ähnlich den Buddhas) nicht einen Avatar im engeren Sinn dar, welcher als eine Verkörperung des Höchsten Persönlichen Gottes (wie im Vishnuismus) betrachtet wird. Wohl aber sind sie erleuchterte, verehrungswürdige, transzendente Wesen, Siddhas, Arhate, Verkörperungen der höchsten Wahrheit und Erlösergestalten, Repräsentanten des Göttlichen sozusagen, welche dem Menschen den Weg zum Höchsten Spirituellen Ziel – Nirvana, Göttliche Verwirklichung – mit höchster Authorität zeigen und ebnen können. Literatur: + A.L. Basham, "Doctrines of the Ajivikas". + A.L.Basham / L.D.Barnett / Satyaranjan Banerjee "History and Doctrines Of The Ajivikas" + Arvind Sharma / Satyaranjan Banerjee "A Jaina Perspective on the Philosophy of Religion" + Asim Kumar Chatterjee "A Comprehensive History of Jainism" (2 Vols.) + W. Schubring / Satyaranjan Banerjee "The Doctrine of the Jainas" + P. C. Nahar / K. C. Ghosh "Encyclopedia of Jainism" + Nagendra Kr.Singh "Encyclopedia of Jainism" (30 Vols.) + T.T. Anuruddha "Grundlagen des Jainismus" + Helmuth von Glasenapp "Der Jainismus "
Islam Koran, Al Ghazali, Sufis
Theologen des Islam kannten die Idee und Lehre, dass sich Gott in menschlicher Gestalt auf Erden manifestiert – als einmaliges Ereignis, wie die christiliche Theologie lehrt - und im Rahmen seiner Ausbreitung kam der Islam auch in Berührung mit den Lehren des Buddhismus und der hinduistischen Lehre von den Avataren eines Persönlichen Gottes. Es stellt sich also die Frage, inwieweit die Denker des Islam dieses Konzept übernommen haben – und wie die Mystiker des Islam aus eigener Verwirklichung oder Erfahrung die Frage der Beziehung Gottes zum Menschen zu formulieren versuchten. Der Koran Der Begriff der (göttlichen) Inkarnation ( hulul ) welcher im späteren Islam verwendet wird, erscheint nicht im Koran. Der Koran erwähnt allerdings die Umstände der Geburt Jesu, welcher als Prophet Gottes betrachtet wird. Jesus wird als Wort von Gott bezeichnet, welches Maria überbracht wurde, dabei sind jedoch lediglich die Umstände der Geburt gemeint, keine Christologie im Sinne einer Logoslehre oder Trinitätslehre, welche der Koran explizit zurückweist. Dabei bezieht sich der Koran nach Meinung zeitgenössischer Theologen aber eher auf häretische Versionen der Trinitätslehre, und es wird heute auch die Meinung vertreten, dass in der Diskussion der Trinitäts-Frage oft ein Missverständnis seitens islamischer Theologen und Gelehrter bezüglich der christlichen Interpretation herrscht, was zur Schwierigkeit eines konstruktiven Dialoges beitragen mag. Islamische Theologen befassten sich schon bald mit der Frage der göttlichen Inkarnation (hulul; abgeleitet von halla: sich niederlassen, so wie sich die Seele im Körper niederlässt). Die These, dass der göttliche Geist sich in einem Körper ‚niederlässt’ wurde von ihnen praktisch einhellig zurückgewiesen, und Sekten die diese Möglichkeit lehrten wurden sozusagen exkommuniziert – aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, wie auch die Christen. Al Ghazali (1058-1111) Al Ghazali wird als einer der grössten Theologen des Islam betrachtet – und als diese Authorität lehnt er die Idee einer göttlichen Inkarnation bzw. der Göttlichkeit Jesu ab. Er sagt, Gott ist nicht ’hulul’ in etwas und nichts ist ‚hulul’ in Gott. Er sagt, dass manche meinen, die mystische Erfahrung bedeute, dass Gott sich im Menschen manifestiere (hulul) oder dass die unio mystica eine besondere Vereinigung mit Gott (ittihad) bedeute – beides ist nach Auffassung von Al Ghazali falsch. Der Mensch kann sich nicht in Gott verlieren, in Gott eingehen (gleich dem Tropfen im den Ozean, wie es der Hinduismus lehrt), noch in einer besonderen mystischen Einheit mit Ihm eins sein, wie es das Christentum lehrt. Er sagt, Gott ist der ganz Andere, der absolute unbegreifbare Gott – Er ist so wenig mit der menschlichen Natur verbunden, wie ein Spiegel mit der Farbe, welche in ihm gespiegelt wird. In seinem Buch ‚Wider die Gottheit Jesu’ weist Al Ghazali auch die christliche Lehre von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus zurück. Einerseits betont er in seiner Argumentation die sehr menschlichen Verhaltens-weisen Jesu, wie seine Versuchung, die Verfluchung des Feigenbaums etc. andererseits betrachtet Al Ghazali Schlüsselpassagen der Evangelien, welche von christlichen Theologen im Sinne einer Inkarnationslehre interpretiert werden als lediglich metaphorisch: ‚Ich und der Vater sind Eins’ – ‚..damit sie Eins seien, wie Wir Eins sind..’ – ‚ehe denn Abraham war, bin Ich’ – ‚wer Mich sieht, sieht den Vater’ Die Begriffe ‚Vater’ und ‚Sohn’ seien ebenfalls gleichnishaft zu verstehen, wie auch Israel von Gott als ‚Mein ältester Sohn’ bezeichnet werde. Gleichermassen wird der Begriff ‚Wort’ (logos) aus dem Johannes Evangelium von Al Ghazali nicht als Hinwseis auf die Göttlichkeit Jesus verstanden, und ‚das Wort ist Fleich geworden’ wird von ihm nach koptischer Tradition als ‚das ‚Wort wurde ein Körper’ übersetzt, was nicht wörtlich genommen werden darf. Die grundsätzliche Position von Al Ghazali ist, dass Gott seine Natur mit keinem anderen Ding oder Geschöpf teilen kann – das schiene Ihn in eine Abhängigkeit zu bringen, welche mit Seiner absoluten, uneingeschränkten göttlichen Natur nicht zu vereinbaren sei. Die Hindu Lehre ‚Tat Tvam Asi – Du bist Das’ (Vedanta) lehnt Al Ghazali ebenso ab, wie die christliche Lehre, der Mensch habe Teil an der Göttlichen Natur. Gott ist nach ihm niemals eins mit einer Person, noch ist er jemals auch nur ähnlich einer Person – Er ist der einzigartige, unerkennbare Gott. Das schliesst also sowohl die christliche Lehre aus, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, und somit dem Menschen nahe und nahbar ist, wie auch die Möglichkeit einer Alleinheitslehre (Advaita Vedanta) Andere Traditionen im Islam Innerhalb der zwei grossen Strömungen des Islam, der Sunniten (Traditionalisten) und der Schiiten (Anhänger von Ali) ist es besonders die Tradition der Schiiten, in welcher gelegentlich Ideen, welche einer göttlichen Inkarnation nahe kommen, auftauchen. Es wird die Ansicht vertreten, dass sich Gott in menschlicher Gestalt oder in der menschlichen Gestalt in einer Form manifestieren kann, die über die Verfassung und Erkenntnisfähigkeit des Propheten hinausgeht. Besonders die Sufis, Mystiker des Islam, lehren entsprechend ihren eigenen Erfahrungen Konzepte, die einer Göttlichen Inkarnation nahe kommen (vor allem auch dem etwas weiter gefassten Konzept des Avatars). Sufis schreiben meist in verschlüsselter, symbolischer Sprache, da unberblümte Äusserungen, wie wir sie von Hallaj kennen, mit gewissen Risiken von seiten der Theologen und Laien auch im Islam verbunden waren. Empfehlenswert in diesem zusammenhang die Interpretation der Rubajat von Omar Chayyam durch Paramahansa Yogananda. Omar schreibt über mystische und metaphysische Wahrheiten in einer Sprache, die der Laie und nicht Ein-geweihte unmöglich verstehen kann – seine Rubajat haben unter Inellektuellen entsprechend zu gehörigen Missverständnissen geführt – und nur ein erleuchteter Meister (Avatar) wie Yogananda konnte den tiefen Gehalt an Weisheit und metaphysischer Wahrheit in ihnen erkennen. Innerhalb der schiitischen Tradition entwickelte sich auch die Lehre vom Imam weiter. Im Koran war der Imam zunächst ein Zeichen Gottes, ein vorbildlicher Führer für die Menschen - von Gott dazu bestimmt. Ali, Hassan und Hussain sind nach dem Glauben der Schiiten die ersten Imame. Später betrachtete man den Imam als Träger oder Manifestation einer göttlichen, kosmischen Macht. Die Imame folgen aufeinander, und einer sei stets anwesend, auch, wenn er im Verborgenen auf Erden wirkt, im Dienste des Göttlichen Plans. Die Wiederkunft des verborgenen Imam Mahdi wird von Schiiten auch in unserer Zeit erwartet – nachdem schon im 19. Jh. einige religiöse Gestalten für sich in Anspruch genommen hatten, der erwartete Imam zu sein. Extremere Positionen vertreten die These von ‚hulul’ – das göttliche Licht wohne im Körper des Imam, welcher schliesslich mit Gott gleichgesetzt wird; Gemässigtere Vertreter der Lehre vom Imam (die Ismaeliten) wiesen diese Ansicht allerdings zurück. Die Ultras (ghulat) vertreten die Ansicht, dass Gott sich in Ali inkarnierte (hulul). Die Nusairis (Namiriya, Ansariyya) waren ursprünglich Ultras (ghulat) – sie selbst bezeichnen sich lieber als Alawiten, um ihren Respekt für Ali, den Schwiegersohn von Mohammed auszudrücken und betrachten sich als Zwölfer-Schiiten Sie führen ihre Tradition auf den elften Imam Hassan al Askari und dessen Schüler Ibn Nusayr (9. Jh,) zurück. Sie lehren eine esoterische Interpretation des Koran und vertreten Überzeugungen, die einer göttlichen Inkarnationslehre nahekommen, sowie die Reinkarnatin der Seele. Nur einer ihrer Texte - Kitab al-Majmu - wurde bekannt, der Grossteil der Lehre wird vor der allgemeinen Öffentlichkeit geheim gehalten (taqiya) und nur im Rahmen von Einweihungen weitergegeben. Die Drusen (duruz) führen ihren Ursprung auf Darazi zurück (11. Jh.) – er lehrte, dass der Fatimiden Kalif Hakim eine Inkarnation Gottes war. Eine weitere bedeutende Gestalt dieser Tradition war der aus Persien stammende Mystiker Hamza ibn Ali ibn Ahmad. Auch die detailllierten Lehren der Drusen sind wenig bekannt (taqiya). Auch sie lehren die Wiedergeburt der Seele und eine mystische Vollendung über untschiedliche Stufen der Einweihung. Es bestehen auch Einflüsse neo-platonischer und gnostischer Quellen. Die gemässigteren, sogenannten Siebener und Zwölfer-Schiiten exkommunizierten diese extremen Thesen der Drusen, Nusairis u.a. und bezeichneten sie – ebenso wie die Christen - als ‚hululiya’. Die Sufis Über mystische Erfahrungen zu schreiben ist extrem schwierig – wenn nicht unmöglich, weshalb viele grosse Eingeweihte und Mystiker es offenbar vorgezogen haben, zu schweigen oder allenfalls in poetischer Sprache auf eine göttliche, wunderbare Dimension hinzuweisen, die zu erfahren, ein menschliches Privileg sei. Schon Kant sagte: „Worte, ohne Erfahrung sind leer – aber auch: „Erfahrungen, ohne Worte sind blind. Das ist wohl einer der Gründe, warum Menschen, die aus höheren Bewusstseins- zuständen sozusagen in das Alltagsbewusstsein zurückgekehrt sind, versuchten, ihre Erfahrung in einer Sprache zu beschreiben, die es wenigstens ihren Schülern ermöglichen sollte, ein Konzept, eine Art geistiger Landkarte zu entwickeln, wie man in diese geistige Dimensionen gelangen kann. Das wäre sicherlich legitim – denn nach uralter Tradition kommt zuerst die Lehre, dann die Übung, dann die eigene Erfahrung und Verwirklichung. Wenn man christliche Theologen ( sitzende Theologen, nicht betende Theologen, wie sie Walter Nigg nennt ) liest, gewinnt man öfters den Eindruck, diese meinen, nur die christlichen Mystiker, und nur dann, wenn sie keinerlei Lehren wider die Orthodoxie äussern, wären wahre Mystiker und hätten authetische Gotteserfahrungen – anderswo finde man allenfalls Naturmystik oder gar rein psychologisch zu verstehende geistige Erfahrungen.. So findet man in theologischen Studien dieser Autoren oft Grenzziehungen, wo keine interpretativen Grenzziehungen angebracht sind…Analoges gilt auch für Autoren anderer Provenienz. Und selbst die grossen Mystiker selbst sind sich nicht immer einig über die Konsequenz ihrer, oder anderer Mystiker Erfahrungen für die Lehre ihrer Religion. Die Sufis im Islam – abgesehen, dass sie wohl unterschiedliche Grade geistiger Verwirklichung erlangt hatten – waren in der philosophischen Interpretation ihrer Erfahrungen von unterschiedlichen Traditionen beeinflusst, abhängig vom geistigen Umfeld, in welchen sie lebten und lehrten. So findet man sicherlich Einflüsse aus gnostischen, neuplatonischen (Plotin) Quellen, und weiter im Osten auch hinduistisch, buddhistische Einflüsse. So findet man in den Bildern, die benutzt werden, die mystische Erfahrung darzustellen, das Bild des göttlichen Funkens, der latent im Menschen ruht und durch die mystische Erfahrung gleichsam entzündet wird, oder eine Art Emanationslehre, nach welcher die Seele als eine göttliche Emanation in der mystischen Erfahrung zur göttlichen Quelle zurückkehrt (Gnosis) – oder eine Alleinheitslehre (Monimus, Advaita Vedanta) – oder rein dualistische Darstel-lungen, wonach die Seele in der mystischen Erfahrung in die Nähe Gottes gelangt, ohne mit Ihm in irgendeiner Form eins zu werden oder gar zu verschmelzen.. Die Sufis, welche ja für gewöhnlich in einem islamischen Umfeld lebten, vermieden es meist – wohl aus Weisheit und Rücksichtnahme auf die Orthodoxie – zur Beschreibung ihrer mystischen Einheitserfahrung den Begriff ‚hulul’ (Inkarnation) zu verwenden, da dies Assoziationen zur christlichen Inkarantionslehre belebte und als Häresie betrachtet worden wäre. Vielmehr verwenden die Sufis lieber den Begriff ‚ittihad’ – und meinen damit, dass die Seele in der unio mystica eine neue Einheit mit dem Göttlichen erlebt oder gar im Göttlichen aufgeht, und somit nur noch die Wirklichkeit Gottes erfahren wird. Hussain b. Mansur al-Hallaj ( - 922 ) Der persiche Mystiker Hallaj ist deshalb so berühmt, weil er wiederholt die in den Augen der islamischen Orthodoxie blasphemische Äusserung gemacht hatte: ‘Ich bin Gott’. Er wurde zum Tode verurteilt und sein Körper wurde verbrannt. Die Legende schildert, dass seine Asche in einen Fluss geschüttet wurde, wo sich auf dem Wasser in arabischer Schrift die Worte ‚Ana l-Haqq’ bildeten – was übersetzt lautet: ‚ich bin die Wahrheit’ oder ‚mein Ich ist die Schöpferische Wahrheit’. Das ist eines der Attribute, die der Koran Gott zuschreibt, und somit hätte sich Hallaj angemasst, Gott zu sein. Die Orthodoxie sah sich wohl mit der Behauptung konfrontiert, dass Gott, Allah angeblich einen menschlichen Körper angenommen hätte (hulul) – das wäre Häresie, wie es die Christen lehrten und somit entsprechend zu ahnden. Hallaj – so sehen es die Mystiker und Eingeweihten – versucht vielmehr eine innere Erfahrung in Worte zu kleiden, welche er in einem mystischen Bewusstseinszustand gemacht hatte. Er nannte Gott seinen Freund, Herrn, Geliebten und selbst Vater: ‚Dein Geist verschmolz allmählich mit meinem Geist – und nun bin ich Du; Deine Existenz ist die meine, und Dein Wille ist mein Wille’. ‚Sein Geist ist mein Geist, und mein Geist ist Sein Geist’ Hallaj erlangte somit vollkommene Einheit mit dem Göttlichen Geist: Ich fragte ihn: „Wo ist die Strasse, die zu Gott führt? Er erwiderte: „Eine Strasse verbindet zwei Dinge, aber hier bei Mir gibt es nur Mich. ‚Ich wurde zu Ihm, den ich liebe; und Er, den ich liebe, ist zu mir geworden. Wir sind beide Geist, der in einen Körper eingegangen ist (halalna) Wer mich sieht, sieht Ihn; und wer Ihn sieht, der sieht mich.’ Das Wort ‚halalna’ hat Bezug zu ‚hulul’ – deshalb ist Hallaj unter Sufis nicht unumstritten (zumindest diese Aussage). Man neigt deshalb dazu, die Aussage von Hallaj im Sinne eines Monismus zu interpretieren – nicht im Sinne einer Inkarnationslehre (hulul). Es scheint aber, dass Hallaj eine besondere Beziehung zum Christentum hatte. Nach Hallaj besitzt Jesus nicht nur eine menschliche Natur (nasut), sondern auch eine göttlliche Natur (lahut) – diese Begriffe wurden auch im syrischen Christentum benutzt. Hallaj sagte, er würde in der Religion (din) des Kreuzes sterben. Er sah eher in Jesus als in Mohammed den vollkommenen Menschen und Repräsentanten Gottes, in dem sich die Schöpferische Wahrheit manifestierte. Es gibt jedoch einen Ton von Monismus in den Lehren von Hallaj, welcher sowohl mit orthodoxen christlichen als auch islamischen Lehren der Mystik unvereinbar ist. Jalal ud-Din Rumi ( - 1273 ) Rumi vertritt die Überzeugung, dass sich Gott in jedem ‘Zeitalter in menschlicher Gestalt manifestiert. ‚immer wieder nimmt der Geliebte Eine ein neues Kleid an, einmal ein jugendliches, dann wieder ein älteres’. Zuerst tauchte der göttliche Geist gleichsam in den Lehm von Adam, dann erschien er in der Welt als Noah und baute die Arche, dann wurde er zu Abraham, als Jesus stieg er in den Himmel auf, als Mohammed beherrschte er die Welt, und als Ali wirkte er ebenfalls. Selbst der, welcher rief ‚ich bin die Wahrheit’ (Hallaj) war Er - in menschlicher Form. Rumi vertritt einen Monismus, nach dem sich der Eine götltiche Geist zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen Formen manifestiert. In jedem Zeitalter nach Mohammed gibt es einen Heiligen, einen lebenden Imam, es ist der Mahdi. Er ist gegenwärtig und verborgen, er ist das Licht Mohammed’s und das Licht geringerer Heiliger, die ihr Licht von ihm erhalten. Jesus, dessen Geburt auch im Koran als übernatürlich beschrieben wird, wird von Rumi als Folge der Berührung der menschlichen Seele von Maria durch den göttlichen Geist beschrieben. Jesus ist nach Rumi ein Lehrer, ein Heiler, ein von Gott Berauschter. Er erweckte die Toten durch den Namen ‚Hu’ (Gott) – aber, ob es nun Jesus oder Mohammed ist oder ein anderer Prophet oder Imam, sie alle sind Emanationen der Göttlichen Einheit. Ibn Arabi ( - 1240 ) Ibn Arabi ist wohl der radikalste Monist oder Vertreter einer Alleinheitslehre. Es sagt, es sei richtig zu behaupten, dass Jesus göttlich sei, aber nicht mehr, als es richtig sei, zu sagen, dass alles göttlich sei. Gott könne nicht auf eine bestimmte Form begrenzt werden.
‚Alles ist Gott’. Gott ist nicht der Schöpfer, der sich inkarniert; Er manifestiert sich in zahllosen Formen, die alle aus der einen göttlichen Essenz hervorgehen. Gott manifestiert sich in menschlicher Form, damit er sich selbst erkennen kann; der Mensch ist wie ein Spiegel, in dem sich Gott selbst erkennt. Gott ist eins mit den Geschöpfen, es gibt nur Gott, wohin man sich auch wendet. ‚Wo immer seine Kamele sich hinwenden, da ist Er’. Daraus folgt: ‚Du bist nichts anderes als Gott’. Ibn Arabi vertritt eine Logoslehre (kalima) , die mehr in Anlehnung an Plotin steht, als in Beziehung zum Logos des Evangeliums (Johannes). Der Logos ist ein geistiges, göttliches Prinzip, durch welches Gott die Welt hervorbringt und wodurch Er Sich schliesslich Seiner Selbst bewusst wird. Ibn Arabi formuliert seine Logoslehre in unterschiedlichstem Zusammenhang (er benutzt bis zu 22 Begriffe dafür). So beschreibt er den Logos auch als die geistge Wirklichkeit in Mohammed, dem wahren Adam, dem vollendeten Menschen. Es ist nicht der Logos, der ‚Fleisch geworden ist’ (Johannes) – auch nicht Mohammed, der Prophet – es ist die geistige Wirklichkeit (haqiqa) von Mohammed. Nach Ibn Arabi ist jeder Prophet ein Logos (kalima) , aber nicht der Logos, welcher allein Mohammed ist, seine geistige Wirklichkeit. Alle Propheten erhalten ihr Licht von Mohammed, dem Siegel der Propheten, denn er ist einzigartig und unvergleichlich. Damit ist, wie gesagt, nicht die Persönlichkeit Mohammed gemeint, die sterblich ist, sondern seine Geistige Wirklichkeit, die unsterblich ist. Es scheint, dass Ibn Arabi hier einen universellen Logos meint, welcher die Logoi aller anderen Heiligen und Propheten, ja Menschen überhaupt, in sich schliesst, und der sich am vollkommensten in Mohammed, dem Siegel der Propheten manifestiert. Mohammed scheint hier ein geistiger Status zugemessen, der dem Christus in der christlichen Logoslehre gleichkommt – aber Ibn Arabi spricht nicht von der zweiten Person eines trinitarischen Gottes. Der Gott von Ibn Arabi ist ein transzendentes, unfassbares Wesen, welches nur durch den Geist von Mohammed (Logos, kalima) verstanden werden kann. In der christlichen Lehre inkarniert sich eben dieser liebende Gott, nimmt menschliche Gestalt an, um den Menschen nahe und verständlicher zu sein. Es gibt unter den Mystikern des Islam also Auffassungen, die von einem orthodoxen Dualismus bis zu einer monistischen, dem Advaita Vedanta nahen Position reichen; Ein Einfluss der hinduistischen Avatarlehre findet sich möglicherweise in der Auffassung aufeinanderfolgender Emanationen oder Manifestationen des Göttlichen Geistes in menschlicher Gestalt – in verschiedenen Zeitaltern. Aber hier grenzt man sich ab von einem strengen Theismus, wie man ihn bei den Vaishnavas und Shivaiten findet oder von der Inkarnationslehre christlicher Theologie und neigt eher eine monistische Position zu, wie vorher beschrieben wurde. Literatur: + Die Mystische Dimension des Islam; Annemarie Schimmel + The Mystical Philosophy of Muhyid din ibnul Arabi; E.A. Affifi + Ibn Arabi, Nasr H. Abu Zaid + Ibn Al-Arabi's Metaphysics of Imagination; von William C. Chittick + The Mathnawi of Jalalu ‘ddin Rumi; übers. R.A. Nicholson + Rumi; Annemarie Schimmel + Hindu and Muslim Mysticism; R.C. Zaehner + Ghazali’s Unique Unknowable God; F. Shehadi + The Need for a Sacred Science; Seyyed Hossein Nasr
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Es gibt nur eine Religion, die Religion der Liebe. Es gibt nur eine Sprache, die Sprache des Herzens. Es gibt nur eine Kaste, die Kaste der Menschheit. Es gibt nur einen Gott Er ist allgegenwärtig.
Sathya Sai Baba
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Lord Krishna spricht in der Bhagavad Gita: “Immer wenn die Tugend (dharma) entartet und das Laster (adharma) vorherrscht, verkörpere Ich Mich als ein Avatar
In jedem Zeitalter erscheine Ich in sichtbarer Gestalt, um die Tugendhaften zu schützen, das Böse auszurotten und die Gerechtigkeit wiederherzustellen.” Bhagavad Gita Kap. 4 Vers 7,8
Yada yada hi dharmasya, glanirbhavati Bharatah, Abhiyutthanam dharmasya,tadatmanam srijamyaham! Paritranaya sadhunam, vinashaya cha dushkritam,Dharmasamsthapanarthaya,sambhabami yuge yuge!!
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