Was ist ein Avatar

 
Der Avatar Paramahansa Yogananda

"...In früheren Zeitaltern, in früheren spirituelleren Zeitaltern in Indien sprachen die Rishis von der Göttlichen Güte, von "Gott mit uns", im Begriff Göttlicher Inkarnationen, avataara – einer Inkarnation Gottes auf Erden in erleuchteten Seelen…
...viele von ihnen sprachen als Mittler zwischen Gott und den Menschen, khanda  avataara, oder partielle Inkarnationen in Seelen, welche Gott kannten...
...weniger an Zahl sind die
purna avataara, befreite Seelen, die vollkommen Eins mit Gott sind; ihre Rückkehr zur Erde dient dem Ziel einer von Gott bestimmten Mission..."
(The Yoga of Jesus, Seite 3)
Die Jünger von Paramahansa Yogananda nannten Ihn einen Prema Avatar (Avatar der Liebe).
Im engeren Kreis Seiner Jünger erwähnte Yoganandaji, dass nur ein Avatar diese Mission erfüllen könne, die Er erfüllt hat (Kriyananda)
 
Mehr Verständnis für das Mysterium eines Avatar gewinnt man, wenn man sich mit offenem Geist und gutem Willen in das Leben und Werk eines Avatars vertieft. Der Avatar Paramahansa Yogananda schrieb in Seiner "Autobiographie eines Yogi" ein Kapitel über den grossen und geheimnisvollen Mahavatar Babaji. Es ist immer wieder faszinierend diese Geschichte zu lesen.
 
Deshalb bring ich hier - für Leser, die das Buch gerade nicht zur Hand haben - die deutsche Übersetzung aus der Autobiographie. (die englische Version der 1946er Ausgabe von
'Autobiography of a Yogi' ist frei im Internet verfügbar)   
 
 
Babaji, der Yogi-Christus des neuzeitlichen Indien
 
Das Felsengebirge bei Badrinarayan im nördlichen Himalaja wird noch heute durch die körperliche Anwesenheit Babadschis, des Guru von Lahiri Mahasaya, geheiligt. Seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden, hat dieser abgeschieden lebende Meister in demselben physischen Körper gelebt Der unsterbliche Babadschi ist ein Avatara, was soviel wie »Herabsteigen« bedeutet und sich aus den Sanskritwurzeln ava = »herab« und tri = "gehen" zusammensetzt.
In den Hinduschriften bedeutet Avatara das Herabsteigen der Gottheit in das Fleisch.
 
»Babadschis überragender Geisteszustand entzieht sich jeder menschlichen Vorstellungskraft«, erklärte mir Sri Yukteswar. »Sein transzendentes Wesen kann vom beschränkten Verstand der Menschen nicht erfaßt werden. jeder Versuch, sich auch nur ein ungefähres Bild von den hohen geistigen Errungenschaften des Avatars zu machen, wäre vergeblich; denn sie sind unvorstellbar.«
 
In den Upanischaden sind alle geistigen Entwicklungsstufen aufs genaueste klassifiziert worden. Ein
Siddba (vollendetes Wesen) ist ein ehemaliger Dschiwanmukta (»im jetzigen Leben Befreiter«), der zu einem Paramukta (»im höchsten Grade Befreiter«, der Macht über den Tod hat) aufgestiegen ist. Letzterer hat sich vollkommen aus der von Maya verhängten Knechtschaft und dem Kreislauf der Wiedergeburten befreit. Daher geht der Paramukta nur selten wieder in einen irdischen Körper ein; wenn er es aber tut, ist er ein Avatar, ein göttlicher Sendbote, welcher der Welt unermeßlichen Segen bringt. Ein Avatar ist nicht mehr den kosmischen Gesetzen unterworfen; sein reiner Körper, der als Lichtgestalt sichtbar wird, braucht der Natur keinen Tribut zu zollen. Auf den ersten Blick ist nichts Außergewöhnliches an einem Avatar zu bemerken; gelegentlich aber wirft er keinen Schatten und hinterläßt keine Fussspuren im Sand. Dieses sind die äußeren Zeichen dafür, daß er sich innerlich von aller Dunkelheit und materiellen Knechtschaft befreit hat.
Nur ein solcher Gottmensch kennt die Wahrheit, die jenseits der relativen Zustände von Leben und Tod liegt. Der so gröblich mißverstandene Omar Chajjam hat in seinem unsterblichen Werk
Rubaijat ein solch befreites Wesen besungen:
 
„Du, meiner Seele sel'ger Mond, kannst nie vergehen,
Den Mond des Himmels seh ich wieder neu erstehen.
Wie oft noch mag er aufgehn und vergeblich warten,
Mich unermüdlich suchend in dem gleichen Garten."
 
Der »selige Mond, der nie vergehen kann«, ist Gott, der ewige Polar
stern, der alle Zeiten überdauert. Der »Mond des Himmels, der wieder neu ersteht«, ist der physische Kosmos, der an das Gesetz periodischer Wiederkehr gebunden ist. Der persische Seher, der den höchsten Zustand der Selbstverwirklichung erlangt hatte, war nicht mehr gezwungen, zur Erde, d. h. zum »Garten« der Natur oder der Maya zurückzukehren. »Wie oft noch mag er aufgehn und vergeblich warten... « Vergeblich hält das erstaunte Universum Ausschau nach etwas, das einst zu ihm gehörte und nun spurlos verschwunden ist!
 
Christus gab seiner Freiheit in etwas anderen Worten Ausdruck:
»Und es trat zu ihm ein Schriftgelehrter, der sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wo du hin gehst. Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nichts, da er sein Haupt hin lege. « (1)
 
Könnte man dem allgegenwärtigen Christus anders folgen als im allumfassenden GEIST?
 
Krischna, Rama, Buddha und Patandschali gehören zu den Avatars des alten Indien. Eine umfangreiche Literatur in Tamil ist auch um Agastya, einen Avatar Südindiens, entstanden, der einige Jahrhunderte der christlichen Ara durch seine zahlreichen Wundertaten bekannt wurde und noch heute in demselben physischen Körper leben soll.
 
Babadschis Mission in Indien besteht bis zum heutigen Tage darin, die  Propheten in ihrer jeweiligen Aufgabe zu unterstützen. Darum gebührt ihm, den heiligen Schriften zufolge, der Titel eines
Mahavatar (Großen Avatars).
 
Er selbst berichtete, daß er Schankara (2), den ehrwürdigen Reorganisator des Swami- Ordens, und Kabir, den berühmten Meister des Mittelalters, in den Yoga eingeweiht habe. Sein bedeutendster Jünger im 19. Jahrhundert war, wie wir bereits wissen, Lahiri Mahasaya, der die verlorengegangene Kunst des Kriya wiederbelebte.

 
Babaji steht in ständiger Verbindung mit Christus. Beide senden der Menschheit erlösende Schwingungen und haben auch die befreiende geistige Technik für dieses Zeitalter bestimmt. Das Werk dieser beiden erleuchteten Meister, von denen der eine körperlich sichtbar und der andere körperlos ist, besteht darin, die Völker der Erde geistig zu erwecken, damit sie sich aus eigenem Antrieb von den Geißeln des Krieges, der Rassenvorurteile, des religiösen Fanatismus und des Materialismus befreien. Babadschi ist sich des neuen Zeitgeistes, insbesondere der Auswirkungen und Krisen der westlichen Zivilisation, sehr wohl bewußt und hat erkannt, daß der befreiende Yoga nicht nur in den östlichen, sondern auch in den westlichen Ländern verbreitet werden muß.
 
Daß es keine historischen Aufzeichnungen über Babadschis Leben gibt, darf uns nicht verwundern. Der große Guru ist in keinem Jahrhundert an die Öffentlichkeit getreten; der mißverständliche Glanz öffentlichen Ruhms paßt nicht zu seinen tausendjährigen Plänen. Gleich dem Schöpfer – der einzigen, aber schweigenden  Kraft - wirkt auch Babadschi in demütigerVerborgenheit.
 
Große Propheten wie Christus und Krischna kommen auf die Erde, um vor den Augen der Menschen eine bestimmte Rolle zu spielen; sobald ihre Aufgabe beendet ist, verlassen sie die Erde wieder. Andere Avatars wie Babadschi befassen sich mehr mit dem langwierigen, viele Jahrhunderte währenden Entwicklungsprozeß der Menschheit und nicht nur mit einem besonderen epochalen Ereignis. Solche Meister entziehen sich stets den neugierigen Blicken der Menge und haben die Macht, sich jederzeit unsichtbar zu machen. Aus diesem Grunde und auch deshalb, weil sie ihren Jüngern gebieten, nichts über sie verlauten zu lassen, bleiben eine Anzahl überragender Geistwesen in der Welt unbekannt. Ich gebe auf diesen Seiten nur einen kleinen Einblick in Babadschis Leben, nur wenige Tatsachen, die er für eine Veröffentlicheung geeignet gehalten hat.
 
Keine näheren Angaben über Babadschis Familie oder Geburtsort, an welchen den Chronisten so viel gelegen wäre, konnten je in Erfahrung gebracht werden. Meist spricht er Hindi, unterhält sich aber auch fließend in jeder anderen Sprache. Er hat den einfachen Namen Babadschi (verehrter Vater) angenommen. Andere ehrenvolle Titel, die ihm von Lahiri Mahasayas Jüngern beigelegt wurden, sind: Mahamuni
Babadschi Maharadsch (erhabener, ekstatischer Meister), Maha  Yogi (großer Yogi) und Trambak-Baba oder Schiwa-Baba (Titel eines Avatars Schiwas). Was hat es aber schon zu bedeuten, ob wir den Familiennamen eines völlig befreiten Meisters kennen oder nicht?
 
»Jeder, der den Namen Babadschis ehrfürchtig ausspricht, sagte Lahiri Mahasaya, zieht augenblicklich seinen Segen auf sich herab.
 
Der Körper des  unsterblichen Guru weist keinerlei Alterserscheinungen auf; er wirkt wie ein junger Mann von 25 Jahren. Babadschis schöne und kräftige Gestalt, die von heller Hautfarbe, mittlerer Größe und mittlerem Gewicht ist, strahlt einen sichtbaren Glanz aus. Seine dunklen Augen sind ruhig und sanft, und sein langes, glänzendes Haar ist kupferfarben. Zuzeiten gleicht Babadschis Antlitz auffallend demjenigen Lahiri Mahasayas. Diese Ahnlichkeit war oft so verblüffend, daß man Lahiri Mahasaya in seinen späteren Jahren für den Vater des jugendlich wirkenden Babadschi hätte halten können.
 
Mein heiliger Sanskritlehrer, Swarni Kebalananda, verbrachte einige Zeit seines Lebens mit Babadschi (3) im Himalaja.
 
»Der unvergleichliche Meister zieht ständig mit seinem Jüngerkreis durch das Gebirge«, erzählte mir Kebalananda. »Zu seiner kleinen Schar gehören auch zwei weit fortgeschrittene amerikanische Jünger. Wenn Babadschi sich eine Zeitlang an einem Ort aufgehalten hat, spricht er: „
Dera danda uthao. (Wir wollen unsere Zelte abbrechen und den Stab ergreifen.) Er trägt meist einen Danda (Bambusstab) bei sich. Diese Worte sind das Signal zum Aufbruch, denn gleich darauf versetzt er sich mit seiner Gruppe unmittelbar an einen anderen Ort. Doch nicht immer wählt er diese astrale Art des Reisens; manchmal wandert er auch zu Fuß von einem Gipfel zum anderen."
 
Babadschi kann nur dann von anderen gesehen oder erkannt werden, wenn er es wünscht. Bekanntlich ist er mehreren seiner Anhänger in verschiedener Gestalt erschienen - manchmal mit Bart und Schnurrbart und manchmal bartlos. Sein unverweslicher Körper bedarf keiner Nahrung; daher ißt der Meister nur selten. Um seinen Jüngern einen Gefallen zu tun, nimmt er manchmal Früchte oder Milchreis mit zerlassener Butter zu sich.
 
Mir sind zwei wundersame Begebenheiten aus dem Leben Babadschis bekannt«, fuhr Kebalananda fort.
»Eines Nachts saßen seine Jünger um ein riesiges Feuer, das während einer heiligen vedischen Zeremonie angezündet worden war. Plötzlich ergriff der Guru ein brennendes Scheit und schlug einem Tschela, der dicht beim Feuer saß, damit leicht auf die bloße Schulter.
>Meister, wie grausam!<  rief Lahiri Mahasaya, der dabeisaß, vorwurfsvoll aus. >Möchtest du lieber mit ansehen, daß er vor deinen Augen zu Tode verbrennt, wie es sein Karma verlangt?<
Mit diesen Worten legte Babadschi seine Hand auf die verunstaltete Schulter des Jüngers und heilte ihn. >Ich habe dich heute nacht vor einem qualvollen Tode bewahrt. Dem karmischen Gesetz ist durch den kurzen Schmerz, den du soeben durch die Brandwunde erlitten hast, Genüge getan.<
 
Ein andermal wurde der heilige Kreis um Babadschi durch die Ankunft eines Fremden gestört. Er hatte mit erstaunlicher Geschicklichkeit das fast unzugängliche Felsenriff erklommen, auf dem der Guru seinen Zeltplatz aufgeschlagen hatte.
 
>Herr, Ihr müßt der große Babadschi sein!< Unaussprechliche Ehrfurcht leuchtete aus den Augen des Mannes. >Monatelang habe ich ununterbrochen  auf diesen gefährlichen Klippen nach Euch gesucht. Ich bitte Euch flehentlich, mich als Jünger anzunehmen.<
 
Als der große Guru ihm keine Antwort gab, wies der Mann auf den gähnenden Abgrund hinter sich. >Wenn Ihr mich abweist, stürze ich mich von diesem Berg herab. Das Leben hat keinen Sinn mehr für mich, wenn ich nicht unter Eurer göttlichen Führung stehen darf.<
 
>Dann spring<, sagte Babadschi mit unbewegter Miene. >Ich kann dich in deinem gegenwärtigen Entwicklungsstadium nicht annehmen.<
 
Ohne zu zögern, stürzte sich der Mann vom Felsen herab. Da befahl Babadschi seinen erschrockenen Jüngern, den Leichnam des Fremden heraufzuholen. Als sie mit seinem zerschmetterten Körper wiederkehrten, legte der Meister seine Hand auf den Toten. Und siehe! Er öffnete die Augen  und warf sich demütig vor dem allmächtigen Guru nieder.
 
>jetzt bist du bereit, mein Jünger zu seim, sagte Babadschi, indem er den auferstandenen Tschela liebevoll anblickte. >Du hast die schwierige Prüfung mutig bestanden (4), und der Tod kann dir nichts mehr anhaben. Du gehörst nun zu unserer unsterblichen Schar.< Dann sprach er die  üblichen Worte
>Dera danda uthao< zum Zeichen des Aufbruchs, und die ganze Gruppe entschwand.«
 
Ein Avatar lebt im allgegenwärtigen GEIST; d. h. er lebt außerhalb der Grenzen von Raum und Zeit. Babadschi kann daher nur einen Beweggrund haben, jahrhundertelang in demselben Körper zu leben: er will der Menschheit ein konkretes Beispiel ihrer eigenen Möglichkeiten geben . Wäre es den Menschen nie vergönnt, für kurze Zeit die gleischgewordene Gottheit zu schauen, so würden sie ganz und gar der Täuschung
(Maya) anheimfallen und es nicht für möglich halten, daß der Tod überwunden werden kann.
 
Jesus wußte von Anfang an, wie sein Leben verlaufen würde. Was sich in seinem Leben ereignete, unterlag keinem karmischen Zwang, sondern diente dazu, alle zum Nachdenken bereiten Menschen geistig zu erheben. Die vier Evangelisten  Matthäus, Markus, Lukas und Johannes  haben dieses einzigartige Drama künftigen Generationen zum Segen festgehalten.

 
Auch für Babadschi existierten die relativen Begriffe Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht; ihm waren von Anbeginn alle Phasen seines Lebens bekannt. Um sich aber dem begrenzten Fassungsvermögen der Menschen anzupassen, sorgte er dafür, daß sich viele Szenen seines göttlichen Lebens in Gegenwart von ein oder zwei Zeugen abspielten. So geschah es auch, daß ein Jünger von Lahiri Mahasaya zugegen war, als Babadschi die Zeit für gekommen hielt, die Möglichkeit seiner körperlichen Unsterblichkeit zu verkünden. Er legte dieses Versprechen in Gegenwart von Ram Gopal Masumdar ab, damit dieser es später anderen Wahrheitssuchern weitererzählen und sie dadurch erheben konnte. Die großen Meister nehmen nur scheinbar am natürlichen Ablauf der Ereignisse teil und sprechen ihre Worte hauptsächlich um der Menschen willen. So sprach z. B. Christus: »Vater ich weiß, daß du mich allezeit hörst;
aber um des Volks willen, das umhersteht sage ich's, daß sie glauben, du habest mich gesandt.«(5)
 
Als ich damals Ram Gopal, den »Heiligen ohne Schlaf «, (6)  in Ranbadschpur besuchte, erzählte er mir die wunderbare Geschichte von seiner ersten Begegnung mit Babadschi.
 
»Von Zeit zu Zeit verließ ich meine einsame Höhle, um Lahiri Mahasaya in Benares zu besuchen«, sagte Ram Gopal. »Als ich einst gegen Mitternacht mit mehreren anderen Jüngern schweigend zu seinen Füßen saß, gab mir der Meister einen überraschenden Auftrag:
 
>Ram Gopal<, sagte er, >gehe sofort zum Dasasamedh-Bade-Ghat.<
 
Bald hatte ich den einsamen Ort erreicht. Es war eine mondhelle Nacht, und am Himmel flimmerten die Sterne. Nachdem ich eine Weile still und geduldig dagesessen hatte, wurde meine Aufmerksamkeit auf eine riesige Steinplatte gelenkt, die sich dicht vor meinen Füßen befand. Sie hob sich langsam in die Höhe und ließ eine unterirdische Höhle sichtbar werden. Dann blieb der Stein unerklärlicherweise in der Luft stehen, und die verhüllte Gestalt einer jungen, unsagbar lieblichen Frau schwebte  aus der Höhle empor. Sie war von einem milden Strahlenkranz umgeben und ließ sich langsam vor mir nieder, wo sie regungslos, in tiefer Ekstase, stehenblieb. Schließlich bewegte sie sich und sprach mit sanfter Stimme:
 
,Ich bin Matadschi, (7) die Schwester Babadschis. Ich habe ihn und auch Lahiri Mahasaya gebeten, heute nacht zu meiner Höhle zu kommen, um eine höchst wichtige Angelegenheit mit mir zu besprechen.<
 
Gleich darauf erblickte ich ein seltsames, nebelhaftes Licht über dem Ganges, das sich in den dunklen Wassern widerspiegelte. Es näherte sich uns mit großer Geschwindigkeit, bis es schließlich blitzartig neben Matadschi niederschoß und sich sogleich in die Gestalt Lahiri Mahasayas verdichtete. Demütig berührte er die Füße der Heiligen.
 
Noch ehe ich mich von meinem Staunen erholt hatte, bemerkte ich eine geheimnisvoll kreisende Lichtmasse, die sich am Himmel entlangbewegte. Schnell schwebte der leuchtende Flammenwirbel herab und näherte sich unserer Gruppe, wo er sich in einen wunderschönen, jugendlichen Körper verdichtete. Ich wußte sofort, daß es Babadschi war, denn er sah aus wie Lahiri Mahasaya; nur wirkte er viel jünger und hatte langes, glänzendes Haar.
 
Lahiri Mahasaya, Matadschi und ich knieten zu Füßen des großen Guru nieder. Ein unbeschreiblicher, glückseliger Schauer überflutete mich, als ich seinen göttlichen Körper berührte.
 
>Gesegnete Schwester<, sprach Babadschi, ich habe vor, meinen Körper aufzulösen und im Strom der Unendlichkeit unterzutauchen.<
 
>Ich habe dies bereits vorausgeahnt, geliebter Meister, und möchte  heute mit Dir darüber sprechen. Warum willst Du Deinen Körper aufgeben?< Mit diesen Worten schaute die Heilige ihn flehentlich an.
 
>Ist es ein Unterschied, ob ich eine sichtbare oder unsichtbare Welle im Meer meines GEISTES bin?<
 
Da erwiderte Matadschi in einer plötzlichen Eingebung: >Unsterblicher Guru, wenn es kein Unterschied ist, so gib Deinen Körper bitte nie> mals auf.<  (8)
 
>Es sei, wie du sagst<, erwiderte Babadschi feierlich. >Ich will meinen irdischen Körper niemals auflösen, sondern zumindest einer kleinen ,Anzahl von Menschen auf dieser Erde immer sichtbar bleiben. Der Herr
hat durch deinen Mund gesprochen.<
 
Während ich noch ehrfurchtsvoll dem Gespräch dieser erhabenen Wesen  lauschte, wandte sich der große Guru mit einer segnenden Geste an mich.
 
>Fürchte dich nicht, Ram Gopal<, sprach er, >dir ist großer Segen widerfahren, weil du Zeuge dieses ewigen Versprechens sein durftest.<
 
Während seine melodische Stimme verklang, schwebten Babadschis und Lahiri Mahasayas Körper langsam empor und bewegten sich zum Ganges zurück. Eine Aura blendenden Lichts umgab sie, als sie im nächtlichen Himmel entschwanden. Matadschis Körper schwebte zur Höhle
zurück, und die Steinplatte senkte sich, wie von unsichtbarer Hand bewegt, wieder herab.
 
Erhobenen Geistes kehrte ich zum Haus Lahiri Mahasayas zurück. Als ich mich bei Tagesanbruch vor ihm verneigte, blickte der Guru mich mit verständnisvollem Lächeln an.
 
>Ich freue mich für dich, Ram Gopal<, sagte er. >Dein sehnlicher Wunsch, Babadschi und Matadschi zu begegnen, ist auf wundersame Weise erfüllt worden.<.
 
Von meinen Mitjüngern erfuhr ich, daß sich Lahiri Mahasaya seit
Mitternacht nicht von der Stelle gerührt hatte.
 
>Nachdem du zum Dasasamedh-Ghat aufgebrochen warst, hielt er einen  inspirierenden Vortrag über die Unsterblichkeit<, erzählte mir ein Tschela. Zum ersten Male verstand ich voll und ganz die in den Heiligen Schriften verkündete Wahrheit, daß ein erleuchteter Meister zur selben Zeit in zwei oder mehreren Körpern an verschiedenen Orten erscheinen kann.
 
Später erklärte mir Lahiri Mahasaya noch viele metaphysische Einzelheiten, die Gottes geheimen Plan für unsere Erde betreffen«, schloß Ram Gopal.  »Babadschi ist von Gott auserwählt worden, während dieses gegenwärtigen Weltenzyklus in seinem Körper weiterzuleben Zeitalter werden kommen und gehen, doch der unsterbliche Meister (9)
wird auf der Bühne der kommenden Jahrhunderte immer zugegen sein.
 
 
--------------------------------------------------
 
(1) Matthäus 8, 19-20
 
(2) Schankara, dessen Guru  - laut geschichtlicher Überlieferung - Govinda Dschati war, empfing in Benares von Babadschi die Einweihung in den
Kriya-Yoga. Als Babadschi seinen Jüngern Lahiri Mahasaya und Swarni Kebalananda hiervon berichtete, erzählte er ihnen auch viele interessante Einzelheiten über seine Begegnung mit dem großen Monisten.
 
(3) Babadschi (verehrter Vater) ist ein gebräuchlicher Titel in Indien. In zahlreichen indischen Büchern werden religiöse Lehrer erwähnt, die »Babadschi« heißen; doch bei keinem von diesen handelt es sich um Mahavatar Babadschi, den Guru von Lahiri Mahasaya. Die Öffentlichkeit erfuhr erst im Jahre 1946 durch die »Autobiographie eines Yogi« von der Existenz des Mahavatars.
 
(4) Es war sein Gehorsam, der auf die Probe gestellt wurde. Als  der erleuchtete Meister sagte: »Spring!«, gehorchte der Mann sofort.  Hätte er gezögert, so hätte er seine Behauptung, daß sein Leben ohne Babadschis Führung wertlos sei, gegenstandslos gemacht und damit bewiesen, daß er dem Guru nicht vollkommen vertraute. Daher war diese Prüfung, so drastisch und ungewohnlich sie auch schien, unter den  gegebenen Umständen die geeignetste.
 
(5) Johannes 11, 41-42
 
(6) Der allgegenwärtige Yogi, der genau wußte, daß ich mich nicht vor dem Schrein in Tarakeswar verneigt hatte (Kapitel 13)
 
(7) »Heilige Mutter«. Matadschi lebt ebenfalls seit Jahrhunderten in ihrem gegenwärtigen Körper und ist geistig fast so hoch entwickelt wie ihr Bruder. Sie hält sich in einer geheimen, unterirdischen Höhle am Dasasamedh-
Ghat auf, wo sie ununterbrochen im Zustand der Ekstase lebt.
 
(8) Diese Antwort erinnert uns an die Worte des Thales. Der große griechische Philosoph lehrte, daß kein Unterschied zwischen Leben und Tod bestünde. »Warum stirbst du dann nicht?«, fragte ihn ein Kritiker. »Eben weil kein Unterschied besteht«, erwiderte Thales.
 
(9) »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: so jemand mein Wort wird halten (ununterbrochen im Christusbewußtsein legt), der wird den Tod nicht sehen ewiglich.«
Johannes 8, 51
 
Diese Worte Jesu beziehen sich nicht auf eine körperliche Unsterblichkeit  ein monotones Kerkerdasein, das man kaum einem Sünder, geschweige denn einem Heiligen wünschen würde. Der erleuchtete Mensch, von dem Christus sprach ist einer, der aus dem Todesschlaf der Unwissenheit zum ewigen Leben erwacht ist. (Siehe Kapitel 43)

 
Der Mensch ist seinem wahren Wesen nach formloser, allgegenwärtiger GEIST. Die gezwungene oder karmische Wiederverkorperung ist das Ergebnis von
Avidya, Unwissenheit. Die Hinduschriften lehren, daß Geburt und Tod Erscheinungen der Maya, der kosmischen Täuschung, sind. Geburt und Tod haben nur in der Welt der Relativität Bedeutung. Babadschi ist weder an seinen irdischen Körper noch an diesen Planeten gebunden; er erfüllt aber - auf Gottes Geheiß - eine bestimmte Mission auf dieser Erde.
 
Große Meister wie Sri Swami Pranabananda (siehe Seite
270), die in einem neuen Körper zur Erde zurückkehren, tun dies aus Gründen, die nur ihnen selbst bekannt sind. Ihre Inkarnationen auf diesem Planeten  werden nicht von dem unerbittlichen Gesetz des Karma bestimmt. Diese freiwillige Wiederkehr  nur jenen Wesen vorbehalten ist, die sich nicht mehr von der Maya blenden lassen, wird Vyatthana (Umkehr zum Erdenleben) genannt.
 
Ob ein erleuchteter Meister auf natürliche oder übernatürliche Weise stirbt, er hat immer die Fähigkeit, seinen Körper auferstehen zu lassen und den Erdenbewohnern zu erscheinen. Wem es gelungen ist, sich mit Gott zu vereinigen, dessen zahllose Sonnensysteme jeder Berechnung  spotten, wird es kaum schwierig finden, die Atome eines irdischen Körpers zu materialisieren.
 
»Ich lasse mein Leben, auf daß ich's wiedernehme«, erklärte Christus. »Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe  Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen.«
(Johannes 10, 17-18)- Kapitel 33
 
Quelle:  „Autobiographie eines Yogi"  von Paramahansa Yogananda
(siehe auch Kapitel 34 – 36)
paramahansa yogananda
 
Bild2
Bild4
Bild5
Bild6
Bild7
Bild8
Bild9
Bild10
Bild11
Bild12
Paramahansa Yogananda
Andere Avatare
NEWS
Links
Vasantha Sai Ma
Sathya Sai Baba
Lord Maitreya
Home
Es gibt nur eine Religion,  
die Religion der Liebe.
Es gibt nur eine Sprache,
die Sprache des Herzens.
Es gibt nur eine Kaste,
die Kaste der Menschheit.  
Es gibt nur einen Gott
Er ist allgegenwärtig.

 
Sathya Sai Baba
home
news
links
e-mail
disclaimer
kommentar
impressum
Beste Ansicht :     Bildschirmauflösung: 1024 x 768 pixel   ( 4 : 3  screen )  -----    Browser:  Internet Explorer   ab 7.x   ---   oder  Firefox  ab 3.x   ------   JavaScript aktiviert
 
STARTSEITE
Seite zurück
Inhaltsverzeichnis
re
Lord Krishna spricht in der Bhagavad Gita:
“Immer wenn die Tugend (dharma) entartet und das Laster (adharma) vorherrscht, verkörpere Ich Mich als ein
Avatar
In jedem Zeitalter erscheine Ich in sichtbarer Gestalt, um die Tugendhaften zu schützen, das Böse auszurotten und die Gerechtigkeit wiederherzustellen.”    Bhagavad Gita  Kap. 4 Vers 7,8
Devanagari
icon_small_arrow
icon_small_arrow2
Sanskrit
icon_small_arrow
icon_small_arrow2
einheit in der vielfalt
om-hinduismus
judentum
christentum
einheit in der vielfalt
rad des dharma-buddhismus
chinesischer universalismus
stern und halbmond-islam
friedliche koexistenz der religionen